Pressestimmen zu: Es gilt die Tat, Th. Gut Verlag 2017

Steine gegen die NZZ

«Zürich vor hundert Jahren: In fernen Moskau rumort es. In Zürich treffen sich Arbeiterinnen und Sozialisten und fühlen sich der Revolution näher denn je. Noch ist der Erste Weltkrieg im Gang. Mitte November 1917 demonstriert die sozialistische Jugendorganisation für den Frieden. Die Aktion schaukelt sich hoch und wird als Zürcher „Novemberkrawalle in die Geschichte eingehen. Am Samstag, 17. November ziehen DemonstrantInnen zur Redaktion der „Neuen Zürcher Zeitung“. Sie werfen Steine gegen die geschlossenen Rollläden, um den Redaktoren die gegen Gewerkschaften und Linke anschreiben, einen Schrecken einzujagen.

Die Polizei lässt die DemonstrantInnen gewähren. Doch als sie sich zum Helvetiaplatz zurückziehen wollen, tauchen Polizisten auf – verstärkt durch Militär mit aufgesteckten Bajonetten. Es fallen Schüsse. Panik bricht aus. Am Ende des Abends sind vier Menschen tot: ein Arbeiter, der eine Frau und vier kleine Kinder zurücklässt, eine Mutter, die ihren Sohn vom Balkon holen wollte und erschossen wird, ein Stadtpolizist, der durch einen gezielten Schuss getötet wird; und der neunzehnjährige Fritz Liniger.

Der Zürcher Historiker Urs Hardegger hat die Geschehnisse um die „Novemberrevolte“ sorgsam recherchiert und zum Roman „Es gilt die Tat“ verwoben. Er nimmt Fritz Liniger als Hauptfigur und versucht, über ihn ein Gefühl für jenen Herbst aufzubauen. Der Erste Weltkrieg, tangierte auch die Wirtschaft der Schweiz. Lebensmittel und Kohle waren knapp. Das Leben in Zürich war nicht einfach.

Hardegger gelingt es, die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven zu beschreiben. Gut und Böse ist nicht vorhersehbar verteilt. Da gibt es Zwist und Unverstand innerhalb der Linken – und Nüchternheit unter Polizisten, die die revolutionären Kräfte auszuhorchen versuchten. Es ist ein eingängiges Werk, auch wenn man sich manchmal wünscht, etwas genauer zu erfahren, was verbürgt ist und wo die Fiktion beginnt.»

Susan Boos, WOZ, 26. Oktober 2017.

 

Kreatives Zwiegespräch über ein wenig bekanntes Kapitel Zürcher Stadtgeschichte

Urs Hardegger rekonstruiert in seinem bislang ersten Roman „Es gilt die Tat“, ein vergessenes, zumindest aber wenig bekanntes Kapitel Zürcher Stadtgeschichte.

Sein Gegenstand sind die sozialen Unruhen in Zürich im Herbst 1917. Fritz, ein Metallarbeiter und engagierter Sozialist, Marie eine Verkäuferin im mondänen Kaufhaus Jelmoli, sowie der Polizeiwachtmeister Steiner stehen im Zentrum. Den Fluchtpunkt der Handlung bildet der Tod des erst 19-jährigen Fritz, der bei Ausschreitungen zwischen Sozialisten und Polizei ums Leben kommt – Zürich im Jahr der Russischen Revolution.

In Urs Hardeggers Literatur bilden historische Quellen den Ausgangspunkt. Aus Polizeiberichten, Gerichtsakten und Tageszeitungen evoziert er eine literarische Welt. Diese Materialien orchestriert der Autor zu einem Hintergrund, von dem seine literarischen Figuren auftreten. Er schildert mit viel Ruhe und Präzision und bewegt den erzählerischen Fokus geschickt von der Unruhe auf Zürichs Strassen zu der im Innersten seiner Figuren.

Es gilt die Tat greift Möglichkeiten literarischen Schreibens auf, die man mit Begriffen wie „dokumentarische Literatur“ oder „historischer Roman“ umreissen kann. Ein entferntes Echo lässt sich auf Alfred Döblins November 1918 Eine deutsche Revolution (1939-1950) vernehmen. Auch dort treten historische Quellen und schriftstellerische Einbildungskraft, Verbürgtes und Imaginiertes, in ein kreatives Zwiegespräch.

Die Literarische Methode, an die dieser Roman anschliesst steht zu einem rein subjektiven Zugriff auf die Welt in einem erfrischenden und mutigen Gegensatz. Urs Hardegger ist Schriftsteller und Historiker, nicht nur das eine, nicht nur das andere.

Für den eigenständigen literarischen Ansatz sowie die hohe Qualität seines Romans „Es gilt die Tat“ wird Urs Hardegger ein Anerkennungsbeitrag des Kantons Zürich zugesprochen.

Begründung der Preisvergabe der Fachstelle Literatur des Kantons Zürich durch Dr. Robert Leucht. Deutsches Seminar an der Universität Zürich, anlässlich der Lesereise in der Buchhandlung Scheidegger in Affoltern a.A., 3. Oktober 2017.

 

Zürich, 1917 (Schluss)

«…Wie war das damals und wann begann alles? Diesen Fragen geht der Roman, basierend auf vielen, sich wiedersprechenden Akten, nach. Er beginnt am 30. August 1917, an der Bahnhofstrasse, als „Generalstreik“ gerufen wird. Während den folgenden Wochen schaukelt sich die Spannung in der Stadt hoch und endet schlussendlich im tragischen Ereignis, das bis heute nicht aufgeklärt ist.
Ein spannender zeitgeschichtlicher Roman, in dem der Autor anhand von widersprüchlichen Dokumenten den Versuch unternimmt, dieses Ereignis vor hundert Jahren nachzuvollziehen. Illustriert mit Fotos und Zeitdokumenten unter anderem der Todesanzeige im „Volksrecht“. »

Hermann Koch in P.S. – die linke Zeitung, 6. Oktober 2017. 

 

Die Ereignisse von 1917 werden wieder lebendig

«Der Zürcher Dozent und Publizist Urs Hardegger hat aus den Ereignissen im November 1917 einen historischen Roman gemacht, der nicht nur die Abläufe auf der Strasse, sondern auch die damaligen Zeitumstände sehr anschaulich schildert. Fritz Liniger, der 19-jährige Metallarbeiter, der bei den Unruhen getötet worden ist, wird zur Hauptfigur, die sich zwischen der Karriere in seiner Fabrik und der Teilnahme an den Sitzungen seiner sozialistischen Gruppierung zu entscheiden hat. Auch die Flügelkämpfe, Abspaltungen und Neugründungen bei der sozialistischen Jugendorganisation werden sehr nachvollziehbar dargestellt. Der Buchtitel, «Es gilt die Tat», ist einer Rede des Friedensaktivisten Max Rotter entnommen, der auf die erfolgreiche Revolution in St. Petersburg anspielte und dann ausrief: «In dieser Situation muss die Schweizer Arbeiterschaft handeln. Es gilt die Tat!» Dass Hardegger sehr sorgfältig und intensiv recherchiert hat, zeigt sich an den zahlreichen Zitaten, mit denen die Haltungen und Strömungen deutlich gemacht werden. 
Hinzu kommen präzise Milieuschilderungen: Man erlebt die bescheidenen Verhältnisse in der Familie Linigers und erhält Einblicke in die unterschiedlichen Arbeitswelten in der Motorenfabrik Arbenz oder im Warenhaus Jelmoli. In der Freizeit besuchen die Jungen, wenn nicht gerade politische Bildung auf dem Programm steht, die Offene Rennbahn in Oerlikon, die wenige Jahre zuvor eröffnet worden war. So könnte es gewesen sein, denkt man sich bei diesen Schilderungen immer wieder. Einzig bei der Dreiecksgeschichte, bei der neben Liniger und einer Jelmoli-Angestellten auch ein Polizist mitspielt, möchte man Einwände anbringen – vor allem, wenn es mitten in den chaotischen Strassenkämpfen zur schicksalshaften Begegnung der beiden Männer kommt.» 

Adrian Kälin, Neue Zürcher Zeitung, 30. September 2017. 

 

Tödliches Date (Ausschnitt)

«Urs Hardegger schildert in seinem Roman „Es gilt die Tat“, wie es zu den Toten kam. Mit dem jungen Metallarbeiter Fritz Liniger, der in der Motorwagenfabrik Arbenz in Zürich Albisrieden Lastwagen montierte, die von den kriegsführenden Parteien begehrt wurden, der aber auch in der Sozialistischen Jugend mitwirkte, rückt er eine Figur ins Zentrum, die sich gut eignet, die Konfliktlinien nachzuzeichnen. (…)

Autor Hardegger macht daraus ein Dreieck. Stadtpolizist Xaver Steiner, für die Überwachung der revolutionären Umtriebe zuständig, hat ebenfalls ein Auge auf Marie geworfen. Geschildert wird er als Instanz, welche zwischen Polizeiführung, politischen Behörden und den Polizeikollegen, die gerne «schärfer» vorgehen würden, einen «anständigen» Standpunkt vertritt. Viele Personen, die Hardegger auftreten lässt, sind historisch. Zitiert wird ausgiebig aus den Zeitungen von damals. »

Christoph Bopp, Luzerner Zeitung, 19. Juli 2017.

 

Tödliches Date (Ausschnitt)

«Hardegger liefert auch ausgiebig Milieuschilderungen. Der Alltag einer Verkäuferin im Jelmoli-Warenhaus mit deutschem Vater wird erlebbar. Die Verhältnisse der Arbeiterfamilie Liniger machen nachvollziehbar, dass Fritz in der Sozialistischen Jugend eine Stätte der Geborgenheit und Heimat erlebt. In Diskussionen mit dem Aktivisten der Internationalen, Willi Münzenberg, und dem „Arbeiterbilder“ Fritz Brupbacher wird er nachdenklich.»

Christoph Bopp, St. Galler Tagblatt, 15. Juli 2017 und AZ-Medien (Schweiz am Wochenende), 1. Juli 2017.

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